Ein Pilzzüchter im Interview

Harrie van Gruijthuijsen ist Pilzzüchter der Tiroler Bio Pilze | Myzelia Pilzwelt. Seit über 40 Jahren übt er leidenschaftlich diesen Beruf aus und ist „absolut nicht müde“. Ein Pilzzüchter im Interview: Hier beantwortet Harrie uns ein paar Fragen zu seinem Beruf.

Warum bist du Pilzzüchter geworden?

Das war reiner Zufall. Während meiner Technikausbildung habe ich in der Ferienzeit und am Wochenende in einer Champignonkultur in den Niederlanden gearbeitet, um dazu zu verdienen. Diese war nur ein Kilometer von zu Hause entfernt. Hier habe ich meine ersten Erfahrungen gesammelt und daraufhin eine Ausbildung zum Pilzzüchter gemacht.

 

Wie kann man zum Pilzzüchter werden?

Als Allererstes braucht man ein Gespür dafür, so wie der Gärtner oder der Koch. Erst wenn dieses Bauchgefühl da ist, geht es weiter.

Früher gab es eine Fachschulausbildung mit Diplom, dort habe ich selber meine Ausbildung zum Pilzzüchter gemacht. Heutzutage gibt es das leider nicht mehr. Um jetzt Pilzzüchter/in zu werden, geht man zu einem Pilzbetrieb und lernt dort das Fach von einem Mentor. Das Wissen wird also von Mensch zu Mensch weitergegeben und nicht in einer Schule gelernt.

 

Was ist schwierig an der Pilzzucht?

Man hat immer Bereitschaft. Die Pilze hören nicht auf zu wachsen und man orientiert sich an ihnen. Das bedeutet: Wochenendarbeit und wenige Urlaubstage. Außerdem muss man sehr anpassungsfähig sein. Je nach Wetter, Saison und Rohstoff muss man diverse Klimaparameter mehrmals täglich anpassen. Kein Tag gleicht dem anderen. Das macht diesen Beruf meiner Meinung nach aber auch so spannend.

 

Wie schaut dein Berufsalltag aus?

Ich bin immer schon früh bei den Pilzen. Ich kann es meistens kaum erwarten, zu sehen, was sich über Nacht getan hat. Jeden Morgen teile ich meine Zucht ein und überlege mir zum Beispiel, wann ich wo und wie viel Wasser geben muss. Mindestens drei Mal täglich bin ich in jeder Halle, reagiere auf Wetterbedingungen, setzte mich mit technischen Störungen auseinander und mache die Erntebegleitung. Dies alles erfordert eine hohe Disziplin, aber das gefällt mir.

 

Was ist deine größte Befriedigung an der Arbeit mit Pilzen?

Meine größte Befriedigung ist es, am Ende des Tages ein hochwertiges Qualitätsprodukt zu erzeugen. Ich bin sehr zufrieden, wenn ich das liefern kann, was von mir erwartet wird. Das ist zugleich eine schöne Herausforderung für mich. Ich schaue mir jeden Tag voller Vorfreude die Mengen an, die auf dem Beet stehen.

 

Macht sich der Klimawandel auch in der Pilzzucht bemerkbar?

Ja natürlich. Auch wenn die Pilze in geschützten Hallen wachsen, arbeiten wir trotzdem viel mit verschiedenen Außenbedingungen wie Frischluft, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Jedes Jahr gibt es eine größere Differenz zwischen den Saisonen. Hitzewellen werden heißer, länger und kommen öfters vor. Das wirkt sich auch auf die Pilze aus. Man muss dann zum Beispiel öfters zur Kühlung greifen, damit es in den Hallen nicht zu warm wird. Auch wirkt sich der Klimawandel auf die Rohstoffe aus, die wir für die Pilzzucht brauchen und von anderen Landwirten beziehen.

Wie siehst du die Zukunft der landwirtschaftlichen Bio-Betriebe?

Ich sehe Bio-Betriebe als absolut wichtig für die Zukunft. Wir müssen unseren Planeten schützen und für die nächsten Generationen mitdenken. Bio-Betriebe werden in Zukunft sicherlich noch mehr gefragt. Der Konsument möchte wissen, was auf seinen Teller kommt und möchte das Vertrauen haben, dass in der Herstellung alles richtig gemacht wurde.

 

Ist es schwierig, die jüngeren Generationen für landwirtschaftliche Berufe zu gewinnen?

Ja. Die Arbeit in der Landwirtschaft ist schwerer als ein „9 to 5 Job“. Man arbeitet rund um die Uhr, sieben Tage die Woche und mit nur wenig Freizeit. Auch kommt es in der Landwirtschaft vor, dass sich der ganze Aufwand nicht lohnt, dass sich die Arbeit nicht auszahlt. Das passiert in einem Bürojob eher seltener.

 

Inwiefern war und ist die Pilzbranche von der Corona-Pandemie betroffen?

Die Pilzbranche hatte wegen der geschlossenen Gastronomie einen größeren Absatz. Die Bevölkerung war auf einmal quasi gezwungen zu kochen. Pilze sind wahnsinnig vielseitig und wurden in der Corona-Zeit deshalb auch sehr viel gekauft und gegessen. Für uns in den Hallen war es mit den neuen Hygienekonzepten und Maßnahmen auch teilweise sehr anstrengend. Die Pilzzucht ist eine recht körperliche Tätigkeit – man ist viel auf den Beinen und klettert die Regale hoch und runter. Mit Maske ist das alles noch etwas schwerer.

Eine letzte Bemerkung?

Alles in allem ist die Pilzzucht eine tolle Arbeit. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue auf die Pilze und werde sicherlich nie müde von ihrem Anblick – auch nicht nach über 40 Jahren!

Ein weiteres Interview findest du hier.

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