Pilze züchten - Interview mit einem Spezialisten

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Diese afrikanische Weisheit begleitet Johannes Auer in seiner täglichen Arbeit. Der gelernte Gärtner fühlte sich einer neuen Herausforderung zugezogen und tauschte kurzerhand die Gartenschaufel für die Taschenlampe ein, um Pilze zu züchten. Als Produktionsleiter der TIROLER BIO PILZE kümmert er sich nun täglich um seine Schützlinge und beantwortet zwischen seinen Kontrollgängen ein paar Fragen zur Pilzzucht:

Pilze züchten

Kurz und knapp beschrieben: Wie züchtet man Pilze?

Ganz vereinfacht gesagt, dupliziert die Pilzzucht in einem Gewächshaus die natürlichen Verhältnisse, die im Wald zum Pilzwachstum führen. In einer geschützten Atmosphäre und in einem festgelegten Zeitraum erzeugt der Züchter also mit Hilfe von Wasser, Temperatur und Luft genau das Klima, welches die Pilze zum Sprießen bringt.

Warum bist du Pilzzüchter geworden?

Die Pilzzucht hat mich schon immer interessiert. Ich bin begeisteter Gärtner und fand Pilze als Lebewesen schon immer faszinierend.

Wie wird man Pilzzüchter?

Eine landwirtschaftliche Vorbildung ist auf jeden Fall von Vorteil. Anders als viele Lehrgänge und Berufe ist die Pilzzucht allerdings eine lebendige Weitergabe – sprich, das Wissen muss von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Reine Theorie bringt hier nur wenig, außerdem ist das Fach nur begrenzt studierbar. Um selbst Pilze erfolgreich zu züchten, braucht man also einen erfahrenen Pilzzüchter, der Zeit und Muße hat, alles zu erklären.

Wie schwierig ist es, Pilze zu züchten?

Die Pilzzucht ist eine außergewöhnliche Form der Landwirtschaft und auch in der Führung von Kulturen sehr speziell. Pilze sind noch nicht ausreichend analysiert und deshalb in ihren Bedürfnissen nicht berechenbar. Es hängt hier viel mit dem Gefühl und Gespür des Züchters zusammen. Wie viel Wasser braucht der Kompost? Ist die Temperatur genau richtig, um das Myzel anzuregen, sich zu verbreiten und die Fruchtkörper zu bilden? Kann ich genügend Frischluft  hinzufügen, ohne alles auszutrocknen? Diese Fragen stellt sich der Züchter jeden Tag. Kein Computer kann bis jetzt darauf eine genaue Antwort geben – der Züchter allerdings bekommt mit jahrelanger Erfahrung ein Gespür dafür, was die Pilze zu welchem Zeitpunkt brauchen.

Wie sieht dein Berufsalltag aus?

Jeder Tag ist gleich, und doch sehr anders. Mindestens zwei Mal täglich schaue ich in jedes Gewächshaus und kontrolliere die Klima-Parameter und die Pilze. Die Herausforderung hier ist, dass kein Tag, kein Gewächshaus, kein Kompost und kein Pilz dem anderen gleicht. Man muss ständig auf neue Herausforderungen gefasst sein und versuchen, das Unberechenbare zu berechnen. Generell gilt das oberste Gebot in der Pilzzucht: Ruhe in den Strukturen. Ist keine Ruhe gegeben, wachsen die Pilze nicht richtig.

Was ist deine größte Befriedigung an der Arbeit mit Pilzen?

Meine größte Befriedigung ist, dass das unmittelbare Resultat der Arbeit direkt einsehbar ist. Pilze sind eine lebendige Materie und reagieren auf die kleinsten Veränderungen – positiv wie negativ. Hier zählt auf jeden Fall: Wenn es den Pilzen gut geht, geht es auch mir gut.

Champignons

Wie wichtig ist für dich Transparenz im Lebensmittelbereich bzw. in der Landwirtschaft?

Sehr wichtig. Der Konsument hat das Recht darauf, zu sehen, wie und wo sein Essen produziert wird. Allgemein ist Transparenz in allen Bereichen des Lebens das oberste Gebot. Es schafft Vertrauen und ist ein wichtiges Korrektiv, denn mit Transparenz kann man auch sein eigenes Verhalten überprüfen. Besonders in der Landwirtschaft, und dort gezielt im Umgang mit Mitarbeitern, steht Transparenz an erster Stelle und zählt somit auch zum Erfolg eines Betriebes.

Was bedeutet für dich „Regionalität“?

Fernab des Modewortes bedeutet „Regionalität“ für mich Importsubstitution – sprich der Ansatz, eine möglichst hohe Anzahl an Lebensmitteln in der Region zu produzieren. Dies fördert letztlich den Umweltschutz sowie die Verteilungsgerechtigkeit.

Wie siehst du die Zukunft der landwirtschaftlichen Bio-Betriebe?

Hier gilt es, die Landwirtschaft nicht zu romantisieren, sondern sie neu zu denken. Wir müssen uns fragen: Was bedeutet Ernährungssicherheit und können wir diese mit unseren aktuellen Strukturen gewährleisten? Meiner Meinung nach nicht – deswegen ist eine innovative Landwirtschaft zweifelsohne die Zukunft. Generell müssen wir in die Höhe denken. Nutzbarer Boden ist rar und wird immer kostbarer, weshalb vertikale Anbaumethoden mehr und mehr Anhänger finden.

Wenn du den Konsumenten etwas sagen könntest, was würdest du ihnen am liebsten mitteilen?

Das man sich abgewöhnen sollte, in Lebensmitteln reine Waren zu sehen. Ein Apfel, ein Pilz oder ein Schinken sind nicht gleichzustellen mit einem Fernseher. Man sollte das Leben darin erkennen, es als Produkt der Natur wahrnehmen und diesen Respekt zollen. Auch das Bewusstsein gegenüber den Arbeitern, dessen ehrliche Handarbeit in die Produktion hineinfließt, sollte gestärkt werden. Außerdem sollte der Konsument sich im Klaren sein, wie viel Macht er in Wirklichkeit besitzt, zu entscheiden, was im Supermarkt ins Regal kommt.

Kann man sich die Pilzzucht mal anschauen?

Wir bieten an unserem Betrieb Führungen an, die für alle zugänglich sind. Da erhält jeder einen Blick hinter die Kulissen und kann sich ein Bild von unserer Arbeit machen. Hier geht’s zum Kontaktformular.

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Hofladen

Unabhängig von Öffnungszeiten können die Bio-Pilze im Ab-Hof Verkauf in Thaur bei Innsbruck abgeholt werden. Wer es also mal nicht zum Supermarkt schafft, wird hier fündig. Das Highlight: Die Pilze sind unverpackt und kommen direkt aus der Produktion.

Wo?
Bert-Köllensperger-Straße 8b
A-6065 Thaur

Öffnungszeiten
0 – 24h

​Parken kannst du gratis bei unserem Unternehmen oder direkt vor dem Hofladen.